Wir schweifen ab #5 – To The Moon (Spoiler!)

Im Verlauf dieser Woche kam Bernd und mir eine unheilvolle Vermutung, die wir einfach nicht mehr länger mit uns herum schleppen konnten. Diese Vermutung lautete, dass wir unseren Hörern eventuell noch nicht genug von To The Moon vorgeschwärmt haben könnten. Und sie machte uns ganz fertig, diese Vermutung. Sie verfolgte uns bis in den Schlaf hinein. Fieberträume waren die unangenehme Folge. Wir mussten handeln.

Das Ergebnis: Ein Spezial-Podcast zu To The Moon. Kompakte 35 Minuten lang und randvoll mit Spoilern. Wer das Spiel noch nicht gespielt hat, sollte diesen Podcast also lieber nicht hören. Aber will man das denn, so ganz freiwillig auf eine Ausgabe von Wir schweifen ab verzichten? Nein, will man natürlich nicht (zumindest in unserem Weltbild)! Daher gibt es für alle bisher noch nicht in den Genuss von To The Moon gekommenen Spieler eigentlich nur eine vernünftige Lösung: Spiel kaufen, Spiel spielen. Dann den Podcast hören. Das meinen wir nur halb im Scherz: Wer To The Moon noch nicht kennt, wird sich, indem er den Podcast hört, tatsächlich um 90% der Faszination des Spiels bringen. Und wer To The Moon nicht spielt, verpasst ein besonders wertvolles Erlebnis des Spielejahres 2011.

Wir hoffen, mit dieser Spezialausgabe zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Erste Fliege: Wir haben noch Redebedarf zu diesem Spiel, das uns im Sturm erobern konnte. Den stillen wir hiermit. Zweite Fliege: Vielleicht habt ihr ja nach dem Durchspielen auch noch Bedarf, ein paar anderen Leuten dabei zuzuhören, was sie denn nun eigentlich so toll daran fanden. Vielleicht findet ihr euch sogar in unseren Meinungen wieder.

Auf Zeitmarken verzichten wir diesmal bewusst. Es geht ja eh fast nur um To The Moon, wobei wir schon ein wenig dem Abschweifen huldigen, indem wir uns zwischendrin plötzlich darüber unterhalten, was Heavy Rain mit To The Moon zu tun hat, wieso Philipp vermutet, eine gekürzte Version des Spiels gespielt zu haben und welche Gemeinsamkeit unser nun schon fünfter Podcast mit dem dritten Teil der Herr der Ringe-Filme hat.

Bleibt uns zum Abschluß nur zu sagen: Viel Spaß beim Hören! Und wenn ihr danach noch nicht genug habt, empfehlen wir euch diese beiden Artikel zum Spiel.

Ihr könnt euch die Folge entweder direkt in unserem Player anhören, sie alternativ aber auch herunterladen oder über iTunes abonnieren. Falls ihr öfter mal auf iTunes unterwegs seid, würden wir uns übrigens über Bewertungen oder gar Rezensionen freuen. Falls euch unser Podcast gefällt: Empfehlt uns weiter und gebt uns Feedback. Falls er euch nicht gefällt: Empfehlt uns nicht weiter und gebt uns einfach trotzdem Feedback. Deal?

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14 Responses to Wir schweifen ab #5 – To The Moon (Spoiler!)

  1. jesters.ice says:

    Bezüglich des Klickproblems: Dem sah ich mich zu Beginn auch ausgesetzt, bis ich dann mal gemerkt habe das es wohl an den „Abschnitten“ in der Umgebung legt. So etwa in erster Linie z.B. die Stufen im Haus. Also erst fortbewegen, dann zu den Gegenständen. 😉

    Habe Neil gewählt, als die Frage kommt wer sich umschauen soll – da kommt die Rollenspielsequenz im Wald ebenfalls. Linker Schuh, rechter Schuh, aber auch ‚Tsunami Attack‘. Ebenfalls die Lautstärke des Kampfrufs ^^

    Einen Hinweis mit den Schmerzmitteln ist mir leider auch entgangen, sprich die klare Wahrnehmung bzw. den Deut hierauf. Ja, es flog etwas aus dem Auto, als Eva in jenem rumkramt – aber ein Kommentar von ihr kommt da nicht und sehen um was es sich da gehandelt hat, konnte ich auch nicht. Danke also, dass ihr das angesprochen habt!

    Ich wüsste auch nicht, wie man jemanden To The Moon erklären oder davon erzählen kann. Ein ist einfach ein kleines, großes Erlebnis. Der Soundtrack ist meines Erachtens, nebst der Erzählweise („rückwärts“), ein derart unterstützendes Element.. muss man zu schätzen wissen können, sonst kann es wohl nicht derart wirken. Musste ich mir jedenfalls auch sofort zulegen.

    Ach ja: FREE PONYS IN SPACE!

  2. Wuslon says:

    Danke für den Tipp zu To the Moon. Hab’s nach eurem letzten Podcast gekauft und bin sehr angetan. Solche Podcasts zu einzlenen Spielen könnt ihr gerne öfter machen, wenn sich das anbietet – ich finds klasse.

    ACHTUNG SPOILER:
    Das Ende interpretiere ich anders als ihr: Das rote Aufblitzen des Bildschirms deutet meiner Meinung nach darauf hin, dass man sich die ganze Zeit in einer Erinnerung befindet (man sieht ähnliches in den Erinnerungen von Johnny, als er kurz vorm Sterben ist). Da das Rot verschwindet, nachdem Dr. Neil Watts die Medizin genommen hat, würde ich davon ausgehen, dass es seine Erinnerung ist.
    Interessant ist jetzt, wieso Neil sich der Tatsache bewusst ist, dass er in seiner eigenen Erinnerung unterwegs ist und wieso er seinen Gesundheitszustand durch die erinnerte Einnahme von Medikamenten verändern (verbessern) kann. Und natürlich: Warum ist er überhaupt in seiner Erinnerung unterwegs? Wir dürfen auf die kommenden Episoden gespannt sein.

  3. Ruben says:

    Großartiger Podcast! Es ist definitiv interessant und spannend zu hören, wie andere über To The Moon denken. Es wurden auch die meisten interessanten Themen abgedeckt – von den bewegendsten Szenen über die künstlerischen Freiheiten bis hin zur Painkiller-Verschwörungstheorie. Die einzige Sache, die ich ein wenig vermisst habe, ist die Sache mit Rivers Krankheit (Authismus / Asperger-Syndrom), die für mich noch entscheidend dazu beiträgt, dass das Spiel so bewegend ist.

    Ich verfolge To The Moon nun schon seit seiner Entstehung, habe es in vielen Alpha- und Beta-Testphasen sehr intensiv gespielt und weiß, wie schwer es ein Indie-Entwickler hat, sein Spiel unter die Leute zu bringen – umso mehr freut es mich, welch großer Beliebtheit sich das Spiel erfreut und ihr tragt weiter zur Verbreitung bei.

    Kan findet’s auch sehr cool, dass es zu To The Moon ein Podcast gibt! Danke dafür. 🙂

    PS: Auf freebirdgames.com gibt es noch ein paar weitere (kostenlose) Spiele, die es meiner Meinung nach auch wert sind, gespielt zu werden. Auch wenn sich alle atmosphärisch stark von To The Moon unterscheiden, erkennt man einige Parallelen im Stil.
    „The Mirror Lied“ ist ein etwa 20-minütiges Mystery-Kurzspiel mit einer sehr interessanten Atmosphäre. „Do You Remember My Lullaby“ erzählt in einer etwa 25-30 Minuten langen Szene von einem Tag im Leben einer Frau während der Weihnachtszeit. Und „Quintessence – The Blighted Venom“ ist ein stark storyorientiertes RPG im klassischen Fantasy-Setting, das großartige Charaktere und eine geniale Handlung hat. Mein persönlicher Favorit von allen Spielen von Kan Gao / Freebird Games.

    PPS: Ah, und im Forum von Freebird Games gibt es auch einige deutsche User – ich kann mir vorstellen, dass einigen dass Podcast auch gefallen würde (und die Podcasts generell). Ihr seid herzlich eingeladen, euch dort auch mal vorzustellen (oder alternativ poste ich das Podcast bzw. den Link dort).

    PPPS: Macht auf jeden Fall weiter so und unterstützt die Spiele mit euren Podcasts, die es wert sind, gespielt zu werden! 🙂

    • Bernd says:

      Danke für das Feedback. Die Krankheit haben wir tatsächlich vergessen, genauer zu beleuchten, dabei hat mich das Thema auch sehr bewegt. Daran merkt man gut, wie viel Substanz in To The Moon steckt.

      Der Tipp mit dem Forum ist eine großartige Idee. Danke dafür. Ich werde morgen auf alle Fälle mal reinschauen. Die anderen Freebird-Spiele stehen schon auf der Todo-Liste 😉

      Philipp hat mittlerweile auf GamersGlobal auch einen Test dazu geschrieben: http://www.gamersglobal.de/test/to-the-moon
      Unsere Leser dort sind zu einem nicht unerheblichen Teil auch sehr angetan.

  4. pixelpinata says:

    Ich bin jetzt auch endlich mal dazu gekommen den Podcast zu hören und bin sehr angetan. Am meisten überrascht hat mich die Sache mit Neils Tabletten. Das ist völlig an mir vorbeigegangen.
    Lustig auch, dass ich zwischendurch überlegt hatte, ob es nicht möglich wäre, dass man sich die ganze Zeit über in der Erinnerung von jemand anderem befindet (also auch außerhalb von Jonnys Erinnerungen). Wäre jetzt so ein typischer Twist gewesen mit dem ich am Ende gerechnet hätte. Die Tatsache, dass es laut dem Kommentar von Wuslon dazu sogar einen Hinweis gibt finde ich aber extrem spannend. Kann das nächste Chapter kaum erwarten.

  5. Marc says:

    Hm, sogar „Die Zeit“ und Gamestar sind darauf aufmerksam geworden, beide Beiträge kamen aber NACH eurem Podcast…habt ihr da etwa eine auslösende Wirkung gehabt? Wär cool 🙂

    http://www.zeit.de/digital/games/2011-11/to-the-moon-2

    http://www.gamestar.de/spiele/to-the-moon/test/to_the_moon,47206,2563558,fazit.html

  6. HomiSite says:

    So, endlich hab ich’s geschafft, To the Moon zu spielen – ein wirklich emotionales Spiel! Ich hätte mir vom Spoiler-Podcast, den ich gleich danach hörte, aber etwas mehr Story-Diskussion gewünscht. Keine Ahnung, ob ihr’s noch präsent habt, aber ein paar Punkte:

    1. Ich hatte die Szene mit Neil am Ende auch so verstanden, dass er wohl in einer Erinnerung ist (weil er/der Bildschirm halt aufblinkt), muss mir die Szene aber noch mal anschauen (falls der Spielstand passt). Die Schmerzmittel-Sache ist mir ebenfalls entgangen; ich sah beim Auto zwar etwas wegfliegen, hatte aber keinen Interaktionspunkt gefunden (spielte per Tastatur).

    2. Story-Lücken (SPOILER!):

    a) Klein: Wie wahrscheinlich ist es, dass ein überfahrenes Tier nach einigen Stunden bis hoch zu dem Haus stinkt? Fand den Kniff mit dem Geruch als Erinnerungsimpuls aber nett, auch wenn der Spieler das ja nicht wissen (riechen :-)) konnte.

    b) Groß: Vielleicht habe ich’s nicht richtig verstanden, aber die Story sieht doch grundsätzlich so aus: John trifft River an der Klippe, er schenkt ihr sein Schnabeltier und sie verabreden sich für nächstes Jahr. Dann stirbt aber sein Zwillingsbruder, er vergisst wegen der Betablocker alles und wird von der etwas durchgedrehten Mutter zu Joey umerzogen. Er geht also nicht zur Klippe und sieht die dann ihm unbekannte River erst in der Schule wieder. Aber sie sollte ihn doch kennen (er hat ja großen Eindruck auf sie gemacht, denn sie hat immer noch das Stofftier)?! Dass sie das nicht erwähnt, kann man das alles auf ihre Krankheit („tiefgreifende Entwicklungsstörung“) schieben? Auch in all den Jahren ihrer Beziehung sprachen sie niemals über ihr tatsächlich erstes Treffen?! Hm…

    Irgendwann erzählt John ihr dann ja, warum er sie (für ihn erstmals) ansprach, da zerbrach dann in ihr etwas bzw. ihre Krankheit brach richtig aus und sie versuchte mit den/dem Origami-Hasen ihn an das wahre erste Treffen zu erinnern.

    c) Als Eva am Ende River in Johns Erinnerung „verschiebt“, löscht sie dann auch die just wiederhergestellte Kindheitserinnerung an der Klippe, d.h. John und River treffen sich nun tatsächlich erstmals in der NASA?

    3. Fazit: Trotz obiger Punkte ein fantastisches Spiel, äh, interactive fiction. Ich glaube, die reduzierte Interaktionsmöglichkeit des Spielers war nötig, um die dichte Geschichte richtig aufzunehmen. Frage mich, ob das Spiel nur bei Leuten ankommt, die selbst 2D-RPGs spiel(t)en. Meine Lieblingsszenen waren die Klippenszene und die Endsequenz. Der Kniff mit dem in die Musik übergehenden Flatline-Ton war mir entgangen.

    PS: Irgendwie auch ein schöner Abgesang auf das Space-Shuttle-Programm (leider spoilern die Bilder auf der Spielehomepage arg viel).

    • Bernd says:

      Ich muss gestehen, ich habe nicht mehr alles so exakt im Gedächtnis (das Alter…), daher gehe ich mal nur teilweise auf deine Punkte ein.

      zu a) Vermutlich richtig, hat mich aber nicht gestört, würde das als „künstlerische Freiheit“ abtun 😉

      zu b) Gute Frage. Kann ich nicht beurteilen, weil ich mich zu wenig mit der Krankheit auskenne.

  7. Sascha says:

    Schande über mein Haupt, ich hab erst beim Winterdeal 2012 zugeschlagen. Wobei ich zugeben muss, auf eine deutsche Fassung primär gewartet zu haben.

    Zum Thema das alles nicht real ist, dem stimme ich zu.

    Es handelt sich hierbei eindeutig um die Erinnerung von einem der beiden oder gar den beiden?

    Mir wurde das bereits klar nach dem Eva auf dem Weg zum Auto abermals meinte: „Oh ein Deja Vu.“.

    Solche Wiederholungen kamen zwei oder dreimal vor, wenn ich mich nicht Irre. Dann die Ansprache auf die Schmerztabletten machten klar das hinter der Geschichte mehr als nur Johns stecken muss.

    Am Ende hat die Szene mit Neil Wats und die Episode 1 Einblendung ganz klar darauf hingewiesen.

    Die Frage ist halt nur wessen Erinnerungen das sind. Eine Zeit lang grübelte ich wer dann deren Agenten wären, aber da es sich ja um Erinnerungen handelt werden diese wohl bis zur Auflösung auch erstmal unsichtbar bleiben.

    Freue mich auf einen Nachfolger und hoffe das es auch noch genügend geben wird um die Geschichte zu beenden. Es ist einfach schön zu sehen was aus deinem SNES Stil alles noch heute gezaubert werden kann.

  8. q. says:

    To The Moon hatte ich nun schon lange in meiner Steam Library, aber irgendwie kam ich nie dazu. Heute hab ich mich dann doch mal rangesetzt und wusste im Grunde nichts über die Story. Nur dass es halt ein wenig „Eternal Sunshine Of A Spotless Mind“ erinnert, mit dem in die Erinnerungen eintauchen und so…

    Aber ich bin jetzt immer noch baff und lausche dem Soundtrack. Und auch wenn das natürlich subjektiv ist, behaupte ich, dass es kaum Spiele gibt, die eine so gut geschriebene Geschichte bieten. Und da gibt es diverse Sachen, die ich euch keineswegs ankreide, aber die kamen bei euch leider gar nicht zur Sprache und daher habt ihr das Spiel auch kaum komplett erfassen können. Aber wie gesagt, das kreide ich euch nicht an. Aber darum schreib ich jetzt ja auch den Kommentar.

    Was ich dem Spiel ganz ganz hoch anrechne, ist, dass es das Thema Autismus behandelt, ohne es jemals ganz auszusprechen, sondern mit sehr viel Feingefühl und subtil zu vermitteln. Und daraus ergibt sich für mich auch eine Interpretation vom Spiel…

    Um es einfach zu sagen: River (also die verstorbene Frau) war Autistin und das kann man schon sehr früh im Spiel bemerken, als es um das Geld und den Hausbau ging. Da spricht Rivers Schwester Isabella davon, dass „ihr neurotypischen“ da halt etwas komisch seid. Neurotypisch ist im allgemeinen Sprachgebrauch eigentlich schon ein Synonym für „Nicht autistisch“ geworden. Und sie sprechen auch davon, dass Isabella ja auch betroffen ist, sie durch eine frühzeitige Diagnose aber weitaus weniger Probleme als River hat.

    Als man im Verlauf des Spiels halt auch immer weiter zurückreist, gibt es immer mehr Details dazu. Sie sprechen darüber, dass schauspielern im Leben für Autisten die einzige Möglichkeit ist, um „normal“ zu sein. Oder als John und Nicholas (?) in der Schulcafeteria sitzen und über River reden, meinen sie, dass sie ja so komisch anders ist und so wirkt, als ob sie von einem anderen Planeten kommt.

    Was auch sehr deutlich war, waren die Uhren im Spiel, die ja nicht ticken. In der Vergangenheit lernt man ja, dass River das Ticken nicht sonderlich mag und John sie deswegen alle hat verstummen lassen.

    Oder als sie im Kino sind und John sie nicht versteht, obwohl sie faktisch richtig liegt, weil sie ja nun einmal tatsächlich beide im selben Kinosaal waren und den Film daher auch „gemeinsam“ gesehen haben.

    Oder als John sie in der Schule um ein Date bittet und sie nicht zusagen kann, weil Zeit und Ort fehlen. Damit fehlt jeglicher Orientierungspunkt und schon funktioniert es nicht mehr.

    Oder als sie sich in ihrer Kindheit das erste mal sehen und John auf IHREM Platz sitzt und sie damit nicht sonderlich einverstanden ist. Und als er dort nach ihrem Namen fragt, und sie einfach ehrlich verneint. Und als John dann seinen Namen verrät und betont, dass er seinen Namen ja nicht mag, weil ja alle anderen Menschen genauso heissen und River das beneidet, weil es vielleicht auch mal schön wäre, wie alle anderen und damit nicht so „ausgestossen“ zu sein.

    Oder die Szene, in der man Rivers Arztbesuch mit der Diagnose miterlebt. Der Doktor benennt auch hier ihre „Krankheit“ nicht, sondern empfiehlt ein Buch von Tony Attwood. Attwood ist eigentlich ein berühmter Psychologe und ein Experte, was Erfahrung mit Asperger angeht.

    Das waren alles ziemlich typische Merkmale für diese Behinderung/Störung.

    Und daher deute ich den Titel „To The Moon“ einfach anders. Asperger-Autismus nennt man manchmal auch Wrong Planet Syndrome, weil man sich als Autist nicht selten im Leben so fühlt, als wäre man ein Ausserirdischer, der von einem fremden Planeten kommt. Und John ist ja schon seit seiner Kindheit an ihr interessiert, auch wenn/weil sie so scheint, als käme sie von einem anderen Planeten. Wo könnte River herkommen? Vielleicht vom Mond? Ich denke auch (meine Interpretation), dass das so eine unterbewusste Sache bei John war, weil er zum Mond wollte, um da hinzugelangen, wo River (vielleicht und natürlich nur im übertragenen Sinne) herkommt und wo sie nach ihrem Ableben auch wieder hin zurückkehrt. Er wollte wieder mit ihr zusammen sein. Das wird mit ihrer Kindheitsgeschichte zwar auch so geklärt, aber für mich ist das halt nicht alles.

    Und dass das alles so im Spiel verwendet und dem Spieler nicht quasi mit dem Löffel zum einfachen füttern vorgesetzt wurde, find ich ganz ganz toll.

    Ich bin immer noch ziemlich tief berührt von dem ganzen und irgendwie möchte ich das noch anders aufarbeiten. Das ist Kunst, nichts anderes.

    • Bernd says:

      Wow, danke für diesen Kommentar und die damit verbundenen Einblicken. Für mich wäre diese Löffelverabreichung vermutlich besser gewesen 😉 Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass mir das alles kaum bewusst geworden ist beim Spielen. Vermutlich auch, weil mein Wissen im Bezug auf Autismus sich mit dem Ansehen von Rainman vor zig Jahren schon relativ erschöpft. Shame on me. Daher bin ich echt dankbar für deine Ausführungen.

      • q. says:

        Dustin Hoffman spielt bei Rainman ja eigentlich auch einen Savant, was ja auch “nur” eine ganz ganz seltene Form im Autismus-Spektrum ist. Den Eindruck, dass das nun Autismus war, haben ja (leider?) viele. Er ist ja auch nicht falsch, aber die Realität sieht halt ein wenig anders aus. Aber darum bitte auch kein “shame on me”, es kann ja nicht jeder alles einfach so kennen. Und das Spiel hat bei euch beiden und vielen anderen ja auch so gut funktioniert, ohne dass ihr das genaue Verständnis hattet und nichts mit dem Löffel serviert bekommen habt.

        Und darum bin ich dem Spiel in gewisser Weise auch sehr dankbar. Ihr habt mit dem Spiel im Grunde eine gewisse Menge über die Facetten von Asperger-Autismus kennengelernt, ohne dass das Spiel mit einem Brecheisen irgendwie belehrend sein musste und das wurde halt einfach fabelhaft mit der Geschichte verknüpft. Ich werd es unter dem Gesichtspunkt demnächst sicher nochmal durchspielen und alles notieren/dokumentieren 😀

        Und jetzt les ich endlich mal den Test vom Philipp :>