Alles hat ein Ende, nur Wir Schweifen Ab hat zwei

Großbritannien verlässt die EU, die halbe Welt rennt sich wegen Pokémon Go die Hacken ab und jetzt auch noch das: Nach einer langen Pause haben wir nicht etwa eine neue Folge für euch, sondern schlechte Nachrichten. Nachdem wir vor rund drei Jahren schon einmal ein Ende auf Zeit verkündet hatten, ist es dieses Mal endgültig: „Wir schweifen ab“ ist Geschichte. Zumindest für Bernd ist es nun ein definitiver Abschluss. Philipp hingegen kann es ganz bestimmt auch in Zukunft nicht lassen, über seine virtuellen Abenteuer zu berichten und würde sich außerdem freuen, „Wir Schweifen Ab“ irgendwann mit neuem Ensemble wiederbeleben zu können. Aber dazu lest ihr weiter unten mehr.

Zunächst möchten wir uns an dieser Stelle ganz herzlich bei euch fürs Zuhören, für eure Kommentare, Retweets, Weiterempfehlungen etc. bedanken. Zugegebenermaßen kommt unser Abschied etwas prunklos daher, so ganz ohne Abschiedsfolge oder Ähnliches, aber das hätte einfach keinen Sinn mehr ergeben – was ihr jetzt bitte nicht als Indiz dafür deutet, dass wir uns im Streit getrennt hätten, denn das trifft beim besten Willen nicht zu. Wir blicken zurück auf nahezu fünf Jahre Indiespiele, hunderte Spielebesprechungen (inklusive dem für Bernd nie endgültig aufgeklärten Mysterium, woher Philipp die mentale Stärke nahm, Deep Black Reloaded durchzuspielen) und bestimmt nahezu ebenso viele Abschweifungen (oder nennt man das Abschweifer?). Wir sind sogar mal gemeinsam auf dem Mond gelandet, wenn auch mit einer eher, sagen wir, diskutablen Erfolgsquote. Wir haben mit euch gemeinsam erleben dürfen, wie aus einer Nische ein respektables Beinahe-Genre wurde. In Teilen analog zur Musikbranche und Indie-Mucke, und trotzdem irgendwie ganz anders. Indiespiele sind groß geworden und können jetzt auf eigenen Beinen stehen. Die Grenzen verwischen immer mehr, was wir explizit begrüßen.

In diesem Sinne: Macht’s gut und tut wie immer nichts, was wir nicht auch tun würden.

Was euch Philipp noch sagen wollte:

In so ziemlich jeder Verabschiedung, der ich in meinem Leben schon beiwohnen durfte, kam das geflügelte Wort des „lachenden und weinenden Auges“, mit dem man wohin auch immer geht, vor. Aber wenn ich ehrlich bin, dann sind es bei mir schon beide Augen, die weinen. So unregelmäßig wir aufgrund verschiedenster Umstände in den letzten Jahren nur noch dazu kamen, einen Podcast aufzunehmen: Es war mir ein Herzensanliegen und hat mir ganz große Freude bereitet. Und auch wenn unserem Podcast über seine Laufzeit hinweg leider nie ein wirklich großer Erfolg gegönnt war, so weiß ich doch, dass wir eine sehr gute Arbeit gemacht haben – so viel Eigenlob muss in einem Abschieds-Post mal erlaubt sein. Außerdem hatten wir mit euch tolle Zuhörer. Und auch wenn ich sehr selten mal auf Kommentare geantwortet habe: Ich habe mich über jeden von ihnen gefreut.

Man hört das aus meinen Worten relativ leicht heraus: Ich hätte liebend gerne weiter gemacht. Aber Bernd hat seine Gründe, über die er euch weiter unten berichten wird, und manchmal ist es eben an der Zeit, weiterzuziehen. Ich habe mich deswegen dazu entschieden, ein neues Projekt namens Another Quest auf die Beine zu stellen. Dort werde ich in Zukunft, wann immer es mir möglich ist, über meine Abenteuer in virtuellen Welten (die sicherlich des Öfteren auch ziemlich „indie“ sein dürften) berichten – und es würde mich wirklich freuen, wenn viele von euch mich dorthin begleiten. Also: Schaut doch mal vorbei und gebt euch als altehrwürdige „Wir schweifen ab“-Fans zu erkennen.

Ich danke Bernd für fast fünf Jahre Indie-Podcast. Es war eine tolle Zeit. Und übrigens habe ich unter „Wir Schweifen Ab“ noch lange nicht den Schlussstrich gesetzt. Solltet ihr also diese Worte lesen und den Drang spüren, in Bernds Fußstapfen zu treten (wozu ihr idealerweise Wissen über „Podcast-Technik-Gedöns“ mitbringen solltet), wisst ihr ja jetzt wo ihr mich in Zukunft findet – und mein Twitter-Feed geht auch nirgendwo hin.

Völlig wahnsinnig wäre ich, wenn ich euch als vorerst letzten Tipp nicht Inside empfehlen würde. Limbo war vor vielen Jahren einer der ausschlaggebenden Punkte für mich, einen genaueren Blick auf „diese Indie-Spiele“ zu werfen – und der Nachfolger übertrifft seinen Vorgänger um Längen. Also kauft und spielt das. Und seid ehrlich: Ihr habt bestimmt noch nicht alle Spiele, die wir in Folge 38 besprochen haben, gespielt. Immerhin: Die letzte Folge „Wir Schweifen Ab“ ist wohl die mit der größten Hit-Dichte aller Zeiten. So halten wir uns letztlich wenigstens an das Motto „Aufhören wenn’s am schönsten ist“. Noch so ein geflügeltes Wort. Aber ich schweife wieder ab! War klasse mit euch. Auf Wiedersehen!

Was euch Bernd noch sagen wollte:

Wie schon damals unter Folge #26 kommentiert: Ich hatte immer meine liebe Mühe mit unserer Unregelmäßigkeit (bedingt durch beiderseitigem Zeitmangel). Damals schrieben viele von euch, dass euch das egal sei. Nun, die Zahlen sprachen ein anderes Bild. Aber sei’s drum. Es soll hier nicht um Zahlen gehen, denn das ist nicht der ausschlaggebende Punkt. Als ich nach der jetzigen langen Pause wieder über eine neue Folge nachdachte, musste ich feststellen, dass es mich einfach immer seltener ans Spielen zieht und ebensowenig ans „über Spiele sprechen“.

Sicher steht das ein oder andere WSA-taugliche Spiel auf meiner „Gespielt“-Liste, aber alleine das Auffrischen und Notizen machen, um keinen – oder zumindest nicht allzu viel – Käse zu erzählen, ist mir unterdessen zu mühsam geworden. Immer mehr Spiele landeten auf meiner Platte nur noch, um sie wegen WSA anzuschauen. Immer seltener, weil ich intensiv daran interessiert gewesen wäre. Anschließend leidenschaftlich darüber zu berichten ist – wie ihr euch sicher vorstellen könnt – quasi unmöglich. Einzig der Spaß, mit Philipp darüber zu diskutieren, hat das noch eine Weile aufgefangen und wird mir fehlen. Aber auf Dauer ist das keine gute Grundlage.

In meiner spärlichen Freizeit beschäftige ich mich aktuell lieber mit der Unity-Engine und mit meiner neuesten Leidenschaft, dem Klavierspielen. Wer weiß, vielleicht stehe ich irgendwann sogar mal auf der anderen Seite. Als Entwickler? Als Spielemusik-Komponist? You never know. Vielleicht verpasse ich mit dem Ende von WSA die große Chance, euch alle über Monate hinweg mit Geschichten aus meinem Indie-Entwickler-Dasein zu langweilen heiß auf mein voll cooles Indiespiel zu machen. Vielleicht entscheide ich mich unterwegs aber auch anders und es ist gut, wie es ist. Letztlich bleibt ja auch noch Twitter.

Philipp wünsche ich natürlich alles erdenklich Gute für sein neues Projekt. Habt ihr das schon besucht? Los! Los! Gleiches gilt selbstverständlich auch für seine Suche nach einem potenziellen Nachfolge-WSA-Kollegen.

Auf diesem Wege auch von mir noch eine letzte Kauf-Empfehlung für alle, die ihre PS Vita mal wieder entstauben möchten: Severed (von den Guacamelee-Machern) ist eine sehr gelungene Mischung aus Legend of Grimrock und Infinity Blade.

Habt Dank und haltet die Ohren steif! Over and out.

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11 Responses to Alles hat ein Ende, nur Wir Schweifen Ab hat zwei

  1. Sascha says:

    Schade, aber das sind nachvollziehbare Gründe. Alles Gute an euch beide und vielen Dank für die vielen schönen Podcast-Stunden!

  2. Jimbo says:

    Der wahre Grund: Bernd will nur in Ruhe Pokemon Go spielen 😉

    Wünsche euch viel Erfolg bei euren neuen Unterfangen!

  3. Matti says:

    Sehr schade! Aber alles Gute an Bernd. Und wäre schön wenn du einen neuen Partner für den Podcast findest, Philipp.

    Schöne Grüße
    Matti

  4. iuserprofile says:

    🙁

  5. egal says:

    Extrem schade 🙁 , aber was will man machen. Unter den geschilderten Umständen macht es ja dann leider wirklich keinen Sinn mehr, meinen immer noch Lieblings-Podcast (trotz der unregelmäßigen und seltenen Erscheinungsweise) so fortzuführen.

    Ich hoffe sehr, dass Philipp einen (oder vielleicht sogar mehr als einen, wäre ja auch möglich) neuen guten Gesprächspartner für eine Fortführung der Indie-Abschweiferei findet und Bernd viel Freude mit dem Klavier und der Unity-Engine hat. Sollte da mal etwas erscheinen, werde ich es mir mit Sicherheit anschauen.

    Nochmal vielen Dank an euch beide für die genialen 38 regulären Ausgaben und die Spoiler-Casts.

  6. Zille says:

    Sehr schade, ich habe euch immer gerne zugehört. Oft aber auch – zugegeben – mit großem Zeitverzug. Ich denke, ich bleibe Philipp als stiller Teilnehmer erhalten 😉

  7. Jensen says:

    Sehr sehr schade….

    WSA war immer mein absoluter Lieblingspodcast und ich habe mich über jede neue Folge gefreut. Aber wie das mal so ist, Dinge ändern sich, ich hatte zu Beginn von WSA noch einen täglichen Weg zur Arbeit von insgesamt 120km, vor gut zwei Jahren habe ich mich örtlich verändert und der lange Weg entfällt. Insofern habe ich WSA immer noch gern, aber deutlich „abgehackter“ hören können. Die Fahrten zur Arbeit mit Euch habe ich immer noch in guter Erinnerung. Vielen Dank für all die tollen Folgen, Ihr wart einfach immer authentisch. Bei anderen Podcasts stört mich mittlerweile ein gewisses „Stargehabe“ (nicht wahr, mein zweitliebster Podcast? 🙂 ), Showgetue hattet Ihr nie nötig und das war auch gut so. Dennoch merkte man zuletzt, dass WSA etwas das Feuer fehlte und wenn man nicht mehr mit Leidenschaft bei der Sache sein kann, endet es vielleicht auch besser.

    Bernd, Du hast die Messlatte sehr hoch gelegt, ich hoffe, dennoch, dass Philipp bei seinem Vorhaben erfolgreich ist, einen neuen Podcast aufzulegen. Für mich wart Ihr ein unschlagbares Team!

    Den Philipp werde ich weiter stalken, irgendwann rückt er sicher auch mal die absolute Gamecube-Musthaves-Spieleliste raus 🙂

    Genug gelabert, im Prinzip hätte ein Wort in mannigfacher Wiederholung ausgereicht: DANKE!

  8. Wuslon says:

    Ich hab das 2013 schon einmal geschrieben: Für mich habt ihr einen der besten deutschen Spiele-Podcasts gemacht, auf den ich mich – Unregelmäßigkeit hin oder her – immer sehr gefreut hab.

    Die Gründe für das Aus sind aber nachvollziehbar; umso mehr würde es mich aber freuen, wenn WSA einen Nachfolger finden würde. Und wer weiß, vielleicht ist Bernd dann ja eines Tages doch wieder dabei, nur diesmal nicht auf Spielerseite, sondern als Entwickler und PRler in Personalunion und schwärmt von seinem neuen, tollen Indie-Spiel 😉

    Philipps neues Projekt hab ich schon mal bei meinen Gaming-Websites gespeichert , ist der höchste Neueinsteiger von 0 auf Platz 2 (nur geschlagen vom mehrjährigen Anführer dieser Kategorie Gamers Global). Sieht wirklich gut aus, ich hoffe, da entwickelt sich was.

    Ich wünsche euch beiden alles Gute
    (der manchmal auch „reale“) Wuslon

  9. Harle says:

    Da schaue ich regelmäßig vorbei, um auch ja die neue Folge nicht zu verpassen und dann das.
    Nachdem ich gelesen hab, dass ihr tatsächlich schon 5 Jahre den Podcast macht, hab ich mich an einige tolle Stunden zurückerinnert, lange Autofahrten, die ihr verkürzt habt oder etwas schleppende Arbeitstage, die durch euch doch interessanter wurden.
    Dann bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als euch alles Gute zu wünschen und die alten Folgen zum wiederholten Male anzumachen.

  10. Thomas says:

    Ach menno… das finde ich wirklich sehr schade. Kennengelernt habe ich „euch“, wenn mich nicht alles täuscht, zuerst über Philipps „Flachwitzer“ Videos auf GamersGlobal, und diese Art von Unbeschwertheit und Humor war es auch, die euren Podcast so toll gemacht hat. Und natürlich all die Explosionen!
    Ich werde sicherlich noch einige Male die alten Folgen hören (zumal da auch noch viele Spiele dabei sind, die ich noch nicht selbst gespielt habe… *hüstel*), und auch wenn Bernd ein toller Partner für Philipp war/ist, hoffe ich einfach mal, dass sich irgendwann ein passender Ersatz findet und ich wieder hörbare Spieletipps genießen darf. Bis dahin wünsche ich euch beiden viel Spaß mit euren anderen Hobbys und Projekten, und natürlich werde ich Philipps neue Website in meine Favoriten aufnehmen 😉

    Vielen Dank für all die schöne Zeit!